In der Geschichte der Premier League gab es bisher 14 Teams, die an Weihnachten ganz oben in der Liga und am Ende doch ohne Meisterschaft da standen. Bei einigen Teams verlief die Rückrunde sogar äußerst tragisch.

Der englische Fußball spielt aus Tradition immer über die Feiertage. Boxing Day. Während andere Ligen sinnvollerweise eine kleine Winterpause einlegen zum Wohle der Spieler und Fans, zieht England durch. Keine Winterpause. Keine Pause über den Jahreswechsel. Warum auch? Immerhin schalten immer noch genügend Fans aus aller Welt über die Feiertage ein. Die Stadien sind gut gefüllt und die Spieltage werden auseinandergerissen.

In ihrer 31. Saison wurde die Premier League bisher 16 Mal von einer Mannschaft gewonnen, die am 25. Dezember an der Spitze stand. Aus diesem Grund ist die Tabellenspitze am Ende des Jahres zum Indikator für den zukünftigen Meister geworden.

Zum Glück für viele heißt am Ende nicht mehr Manchester United im Abo der Gewinner. Doch in den letzten Jahren hat sich der Trend leider zum Turbo-Turbokapitalismus- und Anti-FFP-Verein Manchester City gewendet. Und wer kein „Fan“ der Skyblues ist, hofft, dass sie an der Tabellenspitze straucheln oder, wenn sie nicht auf dem ersten Platz stehen, diesen nicht zurückerobern können.

Trent Alexander-Arnold von Liverpool feiert, nachdem er das erste Tor für sein Team im Premier League Spiel zwischen Liverpool FC Vs. Fulham FC im Anfield am 03. Dezember 2023 in Liverpool, England, erzielt hat.
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Andersherum gab es bisher 14 Teams, die zwar vielversprechend in die Saison starteten und doch am Ende mit leeren Händen da standen. Ein paar Mal traf es Liverpool besonders hart.

In der aktuellen Saison steht Liverpool zur Halbzeit mit 42 Punkten nach 19 Spieltage an der Tabellenspitze. Verfolger Aston Villa ist punktgleich, aber hat schon ein Spiel mehr. Danach folgen City, Arsenal und Tottenham dahinter.

Keine Sorge, ich will hier jetzt nichts heraufbeschwören. Ganz im Gegenteil. Die Reds stehen wohlverdient oben und ich glaube fest daran, dass sie bis Februar ihren kleinen Vorsprung ausbauen können. Doch werfen wir erstmal einen Blick zurück auf die Geschichte der Premier-League-Wintermeister.

1992/93 – Spitzenreiter zu Weihnachten: Norwich City | Meister: Manchester United

Manchester United ist zwar aktuell noch die „erfolgreichste Mannschaft“ in der Geschichte der Premier League, doch Anfang der 90er war man für ein Vierteljahrhundert auf der Suche nach einem Ligatitel. Unter anderem rannte der Erzrivale Liverpool den Red Devils den Rang ab.

Doch dann kam Sir Alex Ferguson. Zunächst sah es zu Weihnachten 1992 so aus, als müssten man in Manchester weiter auf einen Titel warten. Doch in den letzten Wochen der Saison stürzten die Canaries komplett ab. Man landete auf den dritten Platz und United gewann die Liga. Es war der Beginn der goldenen Ära unter Ferguson.

1995/96 – Spitzenreiter zu Weihnachten: Newcastle United | Meister: Manchester United

„Mit Kindern kann man nichts gewinnen.“ Das waren die legendären Worte von Alan Hansen zu Beginn der Saison, als Ferguson am ersten Spieltag auswärts bei Aston Villa auf eine junge Mannschaft setzte. Bis Weihnachten schien er recht zu behalten, denn Newcastle schien die Meisterschaft souverän für sich zu entscheiden.12 Punkte Abstand auf Manchester United.

Newcastle United unter Kevin Keegan nahmen allerdings den Mund zu voll und so verlor man den Abstand und lag am Ende mit vier Punkten hinter United.

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1996/97 – Spitzenreiter zu Weihnachten: Liverpool FC | Meister: Manchester United

Es zeichnet sich leider jetzt schon ein gewisses Muster ab. Unter Ferguson durfte man United leider niemals abschreiben. Ebenso wie heute Manchester City unter Pep Guardiola. Unter Roy Evans stand Liverpool zu Weihnachten ganz oben. Die Hoffnung auf den ersten Premier-League-Titel und den ersten Titel seit sieben Jahren waren groß.

Doch dann spielte United noch einmal groß auf. Die Reds fielen auf den vierten Platz zurück. Newcastle und Arsenal hatten die bessere Tordifferenz und United holte sich mit sieben Punkten Vorsprung den vierten Ligatitel in fünf Jahren.

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1997/98 – Spitzenreiter zu Weihnachten: Manchester United | Meister: Arsenal FC

Arsène Wenger kam im September 1996 zu Arsenal und war zumindest in England unbekannt. In seiner zweiten Saison bei den Gunners spürten Spieler und Trainer allerdings, dass sie United die Stirn bieten konnten. In den letzten Monaten der Saison legte das Team eine magische Siegesserie hin und überholte Manchester United. Am Ende gewannen die Gunners mit einem Punkt die Premier League.

1998/99 – Spitzenreiter zu Weihnachten: Aston Villa | Meister: Manchester United

Das Jahr endete perfekt für den Klub aus Birmingham, aber die meiste Zeit der restlichen Saison verlief alles andere als glatt. Villa stand zu Weihnachten an der Tabellenspitze, und Arsenal saß ihnen auf der Suche nach dem zweiten Titel im Nacken.

Die Villans fielen in der Liga in einem alarmierenden Tempo zurück und beendeten die Saison mit 24 Punkten Rückstand auf Platz sechs. Unfassbar eigentlich. Arsenal setzte United bis zum Schluss unter Druck, doch dieses Mal war es Fergusons Team, das sich mit einem einzigen Punkt durchsetzte. Es war das Jahr, in dem United das Triple gewann.

1999/2000 – Spitzenreiter zu Weihnachten: Leeds United | Meister: Manchester United

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Um die Jahrtausendwende schien David O’Leary an der Elland Road eine beeindruckende Mannschaft aufzubauen, die die Vorherrschaft von United zu beenden drohte. Vor der Weihnachtszeit befürchtete man bei United vielleicht, dass man auf einen ebenbürtigen Gegner treffen würde, aber … man brauchte sich im Nordwesten keine Sorgen zu machen.

Das Team von O’Leary konnte den Schwung der Vorsaison nicht aufrechterhalten und musste sich mit 69 Punkten und dem dritten Tabellenplatz zufrieden geben. United ließ sie hinter sich und gewann erneut den Titel – dieses Mal mit satten 18 Punkten Vorsprung vor Arsenal.

2001/02 – Spitzenreiter zu Weihnachten: Newcastle United | Meister: Arsenal FC

Shaun Botterill/Allsport

Alan Shearer. Laurent Robert. Nolberto Solano. Was für ein Team hatte Sir Bobby Robson in den frühen 2000er Jahren an der Tyneside. Weihnachten 2001 waren die Magpies im Aufwind und der erste Premier-League-Titel war in Sicht.

Doch Thierry Henry und Co. hatten andere Vorstellungen. Die Gunners setzten sich mit sieben Punkten Vorsprung auf Liverpool von der Verfolgergruppe ab, während sich Newcastle mit dem vierten Platz begnügen musste.

2002/03 – Spitzenreiter zu Weihnachten: Arsenal FC | Meister: Manchester United

Arsenal war unter Wenger so stark, dass es so aussah, als würden sie 2002/03 eine weitere Meisterschaft nach London holen. Zu Weihnachten stand das Highbury Kopf und die Gunnerst setzten sich and er Tabellenspitze ab. Doch United gab nicht auf und kämpfte sich Stück für Stück wieder heran…

Täglich großt das Murmeltier, denn die Red Devils besiegten den Rivalen und gewannen am Ende mit fünf Punkten Vorsprung die Premier League.

2003/04 – Spitzenreiter zu Weihnachten: Manchester United | Meister: Arsenal FC

Die Unbesiegbaren. The Invincibles. Es ist eine der ganz besonderen errungenschaften in Fußball und zumindest im englischen Fußball bis dato unerreicht. Der Arsenal FC gewinnt die Meisterschaft ohne Niederlage. Und wenn es mal bei den Gunners nicht so gut läuft, wird gerne mal dieser Erfolg rangezogen um sich aufzupeppeln.

Zu Weihnachten ein gewohntes Bild. United stand ganz oben. Knapp gefolgt von Arsenal. Oftmals vergisst man, dass die Gunners in der Saison 12 Mal Unentschieden spielten. Doch im neuen Jahr drehte man auf und konnte mit 11 Punkten Vorsprung diesen besonderen Titel holen. Arsene Wenger machte sich damit unsterblich.

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United wurde sogar von Chelsea überholt und belegte einen enttäuschenden dritten Platz.

2007/08 – Spitzenreiter zu Weihnachten: Arsenal FC | Meister: Manchester United

Es war ein episches Titelrennen. Nachdem die erste Amtszeit von Jose Mourinho bei Chelsea in den ersten Wochen der Saison zu Ende ging, schien es, als ob Arsenal sich wieder an der Spitze des englischen Fußballs absetzen konnte. Allerdings verletzte sich Leistungsträger Eduardo im Februar sehr schwer was offenbar die Team-Dynamik aus dem Gleichgewicht brachte.

Manchester United nutzte die Gunst der Stunde. Bemerkenswerterweise gelang es Avram Grant (Nachfolger von Mourinho), Chelsea bis zum letzten Spieltag im Spiel zu halten. Doch United behielt die Nerven und beendete die Saison mit zwei Punkten Vorsprung auf die Blues und vier Punkten auf Arsenal.

2008/09 – Spitzenreiter zu Weihnachten: Liverpool FC | Meister: Manchester United

Es lief doch alles so gut für Liverpool. Und dann musste Rafael Benitez über „Fakten“ sprechen. Kein guter Schachzug, Rafa.

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Mit einem Mittelfeld mit Steven Gerrard und Xabi Alonso sowie Fernando Torres auf dem Höhepunkt seiner Karriere sah es so aus, als würden die Reds endlich die Premier League gewinnen. Im März schlugen sie United in Old Trafford mit 4:1 und zeigten damit, dass sie es ernst meinten, wobei sich sogar Andrea Dossena in die Torschützenliste eintragen konnte. Alle, die sich erinnern, wissen, wie verrückt das war.

Doch letztlich war das alles nicht gut genug. Ferguson konnte die Psychospielchen mit Benitez für sich entscheiden, und United lieferte auf dem Spielfeld ab und fügte seinem Trophäenschrank ein weiteres Stück Silber hinzu. Die Reds waren geschlagen… auf dem zweiten Platz mit vier Punkten Rückstand.

2013/14 – Spitzenreiter zu Weihnachten: Liverpool FC | Meister: Manchester City

Es war eine der dramatischsten Saison in der Geschichte des Liverpool FC. Und eine, an die sich viele Fans oftmals nur negativ erinnern. Leider… denn was Liverpool in dieser Saison teilweise für fantastischen Fußball spielte lässt auch heute noch neutrale Fans schwärmen. Mit Luis Suárez, Daniel Sturridge und Raheem Sterling an der Spitze, Gerrard und Coutinho dahinter war Liverpool in der Saison 2013/14 fast nicht zu stoppen.

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Die Reds führten zu Weihnachten die Liga an und verloren nur ein Spiel aus 19. Erstaunlich, dass die Meisterschaft am Ende verloren ging. #SalzInDieWunde

Am Ende war diese eine Niederlage besonders dramatisch. Im vorletzten Spiel, beim Stand von 0:1 und einem Dauerbeschuss der Reds gegen Chelsea rutscht Gerrard aus und die Blues entscheiden das Spiel für sich. Am Spieltag darauf folgte dann Crystanbul, wie die gegnerischen Fans immer gerne sagen. Die Reds führen 3:0 und hätten noch eine gute Chance auf die Meisterschaft gehabt… doch Crystal Palace holt drei Tore auf und die Fans sehen einen weinenden Luis Suarez auf dem Spielfeld.

Vielleicht wurde die Saison über zu viel liegen gelassen, doch am Ende waren es die Nerven, die Manchester City dann mit zwei Punkten Vorsprung den Titel schenkten.

2018/19 – Spitzenreiter zu Weihnachten: Liverpool FC | Meister: Manchester City

In der jüngsten Vergangenheit war sicherlich die Saison 2018/19 in der Premier League eine der absurdesten für Liverpool. Die Reds hatten zu Weihnachten einen leichten Vorsprung auf Man City und machten eigentlich wenig falsch in der zweiten Saisonhälfte.

In den letzten Wochen der Saison lieferten sich die beiden Giganten des englischen Fußballs einen Schlagabtausch und setzten sich gegenseitig unter Druck, indem sie Spiel um Spiel gewannen. Pep Guardiolas City ließ sich den Titel jedoch nicht mehr nehmen und sicherte sich mit einem Sieg am letzten Spieltag gegen Brighton den Vorsprung von einem Punkt auf Liverpool.

UEFA Champions League Final 2019 Tottenham Hotspurs FC Liverpool Spain, Madrid, 01 06 2019, Football, UEFA Champions League, Season 2018 2019, Final in Madrid, Tottenham Hotspurs FC Liverpool 0 2 Andy Robertson FC Liverpool with the Cup

Liverpool verlor nur ein Spiel in der gesamten Saison und war doch nur auf dem zweiten Platz. Woran hat et jelegen? Vielleicht die vier Unentschieden von Januar bis März? Absurd.

Dafür wird diese Saison immer mit DEM Sieg gegen Barcelona und dem Champions-League-Titel in Madrid in Verbindung gebracht. Am Ende eine fantastische Saison für die Reds.

Geschrieben von Marie Toivonen und André Völkel // Header: Laurence Griffiths / Getty Images