Gegneranalyse Manchester City – Der außerirdische Haaland

Am Sonntag empfängt der Liverpool FC am 11. Spieltag der Premier League im Topspiel der letzten Jahre Manchester City. Unsere Gegneranalyse.

Letzte Saison setzten sich die Skyblues zum dritten Mal in vier Jahren die Meisterkrone in der Premier League auf. Dennoch veränderte man im blauen Teil Manchesters den Kader im Sommer enorm, um endlich dem ganz großen Ziel Champions-League-Titel näherzukommen:

Haaland pulverisiert Rekorde

Insgesamt verpflichtete man fünf Spieler, wobei die rein für die Breite geholten Sergio Gomez (21, Linksverteidiger, für 13 Millionen aus Anderlecht) und Stefan Ortega (29, Torwart, ablösefrei aus Bielefeld) bei der Bewertung des Sommers nicht allzu sehr ins Gewicht fallen. Viel entscheidender sind die anderen drei Neuzugänge. Zwei davon kosteten richtig Geld, der dritte war ein Schnäppchen am Deadline Day.

Der erste Neuzugang, der fix gemacht wurde, war Erling Braut Haaland (21). Der Norweger kam dank einer Ausstiegsklausel für nur 60 Millionen Euro von Borussia Dortmund. Nicht allzu viel für einen Stürmer, der in Dortmund in 89 Spielen 86 Tore erzielt hat, 23 aufgelegt und dazu noch derart jung ist. Letzte Woche kam dann heraus, dass Haaland in Manchester bis zu 900.000 Pfund in der Woche verdienen soll. Wenn man dann noch die Beraterhonorare einberechnet, die sein Vater und sein Berater kassiert haben, wird das Gesamtpaket gleich nicht mehr so preiswert.

Dennoch ist er für City das Geld bisher wert. In seinen ersten 13 Pflichtspielen traf der Norweger unglaubliche 20-mal. Vor allem in der Premier League schießt er mit 15 Toren in neun Spielen alles kurz und klein. Bereits dreimal schnürte er einen Hattrick mit drei Toren. Gegen Manchester United war er gar an fünf Toren direkt beteiligt (drei Tore, zwei Vorlagen). Haaland pulverisiert sämtliche Rekorde der Premier League. Falls er lange genug in der Liga spielen sollte, wird keine Bestmarke sicher sein vor ihm.

Ein Flop mit Ansage und ein Schnäppchen

So gut der Haaland-Transfer war, so sehr muss man Manchester City für den anderen großen Transfer kritisieren. Den von Kalvin Philips (26) nämlich. Der zentrale Mittelfeldspieler kam für 49 Millionen Euro aus Leeds und bekommt bisher noch überhaupt kein Bein auf den Boden. In der Premier League spielte Philips bisher eine Minute, aktuell fällt er wegen einer Schulterverletzung aus.

Dass der englische Nationalspieler nicht zum Spielstil der Skyblues passen würde, kam mit Ansage. Philips‘ große Stärke ist die Laufarbeit und das Pressing, mit dem Ball am Fuß ist er maximal durchschnittlich stark, auch wenn er früher den Spitznamen „Yorkshire Pirlo“ hatte. Das Geld, das man in ihn investiert hat, hätte man besser für Matheus Nunes (24) ausgegeben, an dem man ebenfalls interessiert gewesen sein soll. Den Portugiesen zog es stattdessen für 45 Millionen Euro nach Wolverhampton, wo er direkt einer der besten Mittelfeldspieler der Liga ist.

Den besten Deal des Sommers hat City wohl mit Manuel Akanji (27) gemacht. Der Innenverteidiger kam am Deadline Day aufgrund eines bis 2023 laufenden Vertrags sehr preiswert für 17,5 Millionen Euro aus Dortmund. Akanji stand seither in sechs von acht Spielen in der Startelf und lieferte starke Leistungen, inzwischen steht er im internen Ranking vor John Stones (28).

In der Breite schwächer geworden?

Auch auf der Abgangsseite tat sich einiges. Auch hier gab es einige, für den sportlichen Erfolg eher weniger relevante Transfers. Einige Talente und ehemalige Leihspieler wurden abgegeben. Bei den Talenten, die überwiegend nach Southampton gingen, hat City sich zudem in der Regel eine Rückkaufoption einbauen lassen. Dies könnte vor allem bei Gavin Bazunu (20) und Romeó Lavia (18) wichtig werden. Der irische Nationalkeeper und der belgische defensive Mittelfeldspieler sind bei den Saint absolut gesetzt und zeigen hervorragende Leistungen.

Einen wesentlich größeren sportlichen Einfluss hatten letztes Jahr Oleksandr Zinchenko (25) und Gabriel Jesus (25). Die beiden verließen City für zusammen fast 90 Millionen Euro Richtung Arsenal. Jesus wurde durch den Haaland-Transfer obsolet, während Zinchenko eigentlich zurück auf seine angestammte Mittelfeldposition wollte. Dort hatte er bei City jedoch keine Chance auf Spielzeit, daher verließ der Ukrainer den Verein.

Dazu wechselte Raheem Sterling (27) für den vergleichsweise kleinen Betrag von 56,2 Millionen Euro zum Chelsea FC. Der englische Flügelspieler hatte nur noch ein Jahr Vertrag, die Skyblues wollten seine Gehaltsforderungen für eine Vertragsverlängerung nicht erfüllen und so ging Sterling zu den Blues nach London.

Der vierte namhafte Spieler, der den Verein verließ, war Fernandinho (37). Der defensive Mittelfeldspieler und Kapitän Citys verließ den Verein nach neun Jahren und wechselte ablösefrei in seine brasilianische Heimat. Vor allem für das Mannschaftsgefüge ist sein Abgang ein herber Verlust, sportlich war er die letzten Jahre nur noch Backup.

Haaland bringt neue Dimension

Grundsätzlich hat sich am Stil der Skyblues nichts verändert. 67,9 % Ballbesitz und 90,3 % Passquote sind auch in diesem Jahr die besten Werte der Liga in diesen Bereichen. Doch die Ankunft von Haaland hat der Mannschaft noch eine weitere Komponente hinzugefügt. Man ist nun auch in der Lage zu kontern und dürfte bereits nach dieser kurzen Zeit Liverpool als beste Kontermannschaft der Welt abgelöst haben.

Bereits jetzt hat City mehr Kontertore in der Liga erzielt (3) als in der gesamten letzten Saison (2). Vor allem Kevin de Bruyne (31) hat bereits eine hervorragende Chemie mit Haaland entwickelt. Insgesamt legte der Belgier dem Norweger alleine in der Liga bereits vier Treffer auf, zweimal schickte er ihn aus dem Mittelfeld einfach tief. Haaland ist derart schnell, dass er nahezu jeden Ball in die Tiefe erlaufen kann. Im 1 gegen 1 gegen den Keeper ist der dann nahezu unaufhaltsam. Entsprechend hat City diese Saison als weiteres Element das tiefe Verteidigen und Kontern mit in ihr Repertoire mit aufgenommen.

Offensiv unaufhaltsam, defensiv zuweilen wild

Wie zu erwarten war, befindet sich City auch in diesem Jahr wieder im Meisterschaftsrennen. Nach neun absolvierten Spielen steht man noch ohne Niederlage da, zweimal teilten sich die Cityzens mit dem Gegner die Punkte. Offensiv könnte es kaum besser laufen, man hat bereits unglaubliche 33 Tore erzielt. Das macht einen Torschnitt von knapp 3,5.

Defensiv hat man hingegen immer mal wieder Ausreißer nach unten drin. Insgesamt stellt City mit neun Gegentoren zwar gemeinsam mit Newcastle, Brighton und Everton die beste Defensive der Liga, doch man kassierte bereits zweimal drei und einmal zwei Gegentore in einem Spiel. Gegen Newcastle reichte es entsprechend nur zu einem 3:3, gegen Crystal Palace konnte man einen 0:2-Rückstand noch in ein 4:2 drehen.

Prognose

Manchester City scheint in dieser Saison nochmal stärker zu sein als in den letzten Jahren. Entsprechend dürfte es nochmal schwerer werden sie zu schlagen. Die letzten Jahre konnte man durch hohes Pressing das Spiel der Skyblues einschränken, nun haben sie für solche Situationen Haaland. Das in Kombination mit der aktuellen Form der Reds ist auf dem Papier keine allzu positive Aussicht für alle Liverpool-Fans. Die Hoffnung heißt Anfield. Wenn das Stadion zum 12. Mann wird, kann für den LFC etwas gehen.

Lukas Heigl / (Photo by Mike Hewitt/Getty Images)

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