Manchester United – Endet der grauenhafte Saisonstart gegen die Reds?│Gegneranalyse

Am Montag geht es für den Liverpool FC am dritten Spieltag der Premier League zu Manchester United. Unsere Gegneranalyse:

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Nach einem enttäuschenden Platz sechs in der vergangenen Saison wollte man diesen Sommer den großen Umbruch einleiten. Mit Erik ten Hag (52) wurde ein neuer Trainer installiert, der bei Ajax Amsterdam erfrischenden Offensivfußball spielen ließ und diesen nun auch bei den Red Devils implementieren soll. Auch der Kader wurde angepasst.

Die Neuzugänge passen zum neuen Spielstil

Bisher kamen drei Neuzugänge. Mit Lisandro Martinez (24) wurde der absolute Wunschspieler von ten Hag verpflichtet. Der Argentinier arbeitete bereits bei Ajax mit dem Übungsleiter zusammen und ist ein essentieller Bestandteil der neuen Spielidee von United. Martinez ist mit dem Ball am Fuß vielleicht sogar der beste Innenverteidiger der Welt. Entsprechend viel ließen die Red Devils sich seine Dienste kosten, 57,37 Millionen Euro überwies man in die Niederlande.

Ein weiterer Spieler aus der Eredivisie kam mit Tyrell Malacia (22). Er wurde für 15 Millionen Euro von Feyenoord Rotterdam verpflichtet und soll mit Luke Shaw (27) um die Spielzeit auf der linken Abwehrseite kämpfen. Der dritte Neuzugang ist sicherlich der größte Name. Christian Eriksen (30) wechselte ablösefrei vom Brentford FC in den Nordwesten Englands. Der Däne zeigte in der Rückrunde bei den Bees hervorragende Leistungen und soll bei United an seine Leistungen aus Tottenham-Zeiten anknüpfen, als er einer der besten offensiven Mittelfeldspieler der Welt gewesen ist.

Ein potentiell wichtiger Spieler kehrte zudem von seiner Leihe zurück. Stürmer Anthony Martial (26) verbrachte die letzte Rückrunde beim FC Sevilla. Der Franzose soll nun unter ten Hag wieder fester Bestandteil des Kaders sein und hatte sich durch eine starke Vorbereitung eigentlich den Platz als Stammspieler in der Sturmspitze gesichert. Doch kurz vor Saisonbeginn verletzte sich Martial am Oberschenkel und fällt seitdem aus. Am Montag könnte er erstmals in dieser Saison im Kader stehen.

Große Namen verlassen den Verein ablösefrei

Auf der Abgangsseite hat sich bereits deutlich mehr getan. Geld nahm man nur für Andreas Pereira (26) ein, der für 9,5 Millionen Euro zu Fulham gegangen ist und mit dem Liverpool ja bereits am ersten Spieltag Erfahrung gemacht hat. Dazu wurden mit Linksverteidiger Alex Telles (29) und Ersatztorwart Dean Henderson (25) verliehen. Telles ging zum FC Sevilla, Henderson verbringt die Saison bei Nottingham Forest.

Daneben haben den Verein einige große Namen ablösefrei verlassen. Der größte davon ist sicherlich der von Paul Pogba (29). Der zentrale Mittelfeldspieler, der in Manchester nach seinem 100-Millionen-Transfer nie so ganz glücklich geworden war, kehrte nach Ende seines Vertrags zu Ex-Club Juventus Turin zurück. Jesse Lingard (29), der bei United letzte Saison kaum zum Zug gekommen war, schloss sich Aufsteiger Nottingham an.

Außerdem sind gleich drei Spieler der alten Garde nicht länger bei den Red Devils unter Vertrag. Nemanja Matic (33) ging zum AS Rom, Juan Mata (34) und Stürmer Edinson Cavani (35) suchen jeweils noch einen neuen Verein. Somit gibt es nun nur noch drei Spieler im Kader, die älter sind als 30 Jahre.

Erik ten Hag – Bekommt er die nötige Zeit?

Wie bereits angesprochen kam ten Hag in diesem Sommer aus Amsterdam und soll United in eine Zeitenwende führen. Der Niederländer steht für gepflegten Ballbesitzfußball, diesen soll er auch in Manchester implementieren. Die Red Devils sind ten Hags zweite Auslandsstation als Trainer. Zwischen 2013 und 2015 war er für die Amateure des FC Bayern München zuständig und führte diese zu einem ersten und einem zweiten Platz in der Regionalliga Bayern, der vierten deutschen Liga.

Anschließend war der 52-Jährige zweieinhalb Jahre für den FC Utrecht tätig. Am 28. Dezember 2017 übernahm er Ajax Amsterdam, die vor ihm ihre Vormachtstellung in den Niederlanden verloren hatten und zweimal nur Tabellenzweiter in der Eredivisie geworden waren. Ten Hag brachte den Verein wieder zurück auf Kurs. Trotz einiger schmerzhafter Abgänge im Laufe seiner Zeit vor Ort, allen voran denen von Frenkie de Jong (25) und Matthijs de Ligt (23) für zusammen 171,5 Millionen Euro, wurde Ajax unter ihm viermal in Folge Mester und begeisterte auch international.

In der Saison 2018/19 stand man nach Siegen gegen Real Madrid (1:1 und 4:1) und Juventus Turin (1:1, 2:1) im Halbfinale der Champions League. Dort scheiterte Ajax auf dramatischste Art und Weise gegen die Tottenham Hotspur. Nach einem ungefährdeten 1:0-Auswärtserfolg im Hinspiel spielte die Mannschaft auch im Rückspiel groß auf und führte lange mit 2:0. Das Ergebnis hätte noch deutlich höher aussehen können. Doch dann kamen die Spurs erst mit einem Doppelschlag zum Ausgleich (55., 59.), nur um in der letzten Minute der Nachspielzeit das Spiel tatsächlich noch zu drehen und über die damals noch gültige Auswärtstorregel ins Finale einzuziehen (90+6.).

Es ist ein langer Weg

Dass dieser Weg weg vom eher abwartenden hin zum proaktiven Spiel kein leichter wird hat man bereits in den ersten beiden Spielen gesehen. Gegen Brighton setzte es zu Hause ein 1:2, in Brentford verlor United gar mit 0:4. Vor allem gegen Brentford sah man, dass noch viel Arbeit vor ten Hag liegt. Im Aufbauspiel konnten die Spieler der Red Devils viel zu leicht gepresst werden, die Konterabsicherung war mangelhaft. Vor allem im Mittelfeld fehlt es an pressingresistenten Spielern, dazu zeigt das neue System noch schonungsloser Harry Maguires (29) Schwächen auf. Gegen Brighton wirkte der Kapitän und Abwehrchef komplett verloren.

Entsprechend kann davon ausgegangen werden, dass gegen Liverpool Raphael Varane (29) neben Martinez verteidigt. Doch auch Martinez hat sich bereits jetzt als Problem herausgestellt. Nicht sein spielerisches Niveau, vielmehr seine Größe von nur 1,75 Metern ist für die Innenverteidigung ein Problem. Beide Gegner attackierten Martinez immer wieder mit hohen Bällen. Brighton, das letzte Saison nur 12% seiner Pässe lang gespielt hatte, schraubte die Quote gegen United auf 21% nach oben. Bei Brentford war der Anstieg immerhin von 15% auf 21%. Ob Liverpool diese Schwachstelle durch den Ausfall von Dawin Nunez (23) auch nutzen kann muss sich zeigen.

Die beiden ersten Spiele haben dafür gesorgt, dass United nun auf dem Transfermarkt nochmal deutlich aggressiver nach Verstärkungen sucht als zuvor. Die Spielerauswahl zeigt dabei die Verzweiflung der Red Devils. Seit dem Spiel in Brentford wurde der Verein mit 18 Spielern auf sämtlichen Positionen und mit komplett unterschiedlichen Spielerprofilen in Verbindung gebracht. Es wird sich zeigen, wer am Ende wirklich im Nordwesten Englands aufschlägt. Mit dem Sechser Casemiro (30) haben die Red Devils bereits eine weitere Verstärkung eingetütet. Doch der Brasilianer, der für 70 Millionen Euro von Real Madrid verpflichtet wurde, ist am Montag noch nicht spielberechtigt. Zudem wird United wohl die von Ajax geforderten 100 Millionen für Flügelstürmer Antony (22) nun doch bezahlen, um auch diesen Brasilianer zu verpflichten.

Prognose

In der Theorie ist Manchester United gefundenes Fressen für die Reds. Eine Mannschaft, die Fußball spielen will, es jedoch (noch) nicht kann. Wählt ten Hag denselben Ansatz wie in den ersten beiden Spielen, könnte das Ergebnis sogar noch höher ausfallen als letzte Saison (5:0 Liverpool). Es kann jedoch auch sein, dass er einen defensiveren Ansatz wählt. Dann dürfte den LFC ein Geduldsspiel erwarten.

Lukas Heigl / (Photo by Catherine Ivill/Getty Images)

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