Fulham FC – Mit mehr Kontinuität zum Klassenerhalt? | Gegneranalyse

Am Samstag reist der Liverpool FC im ersten Spieltag der neuen Premier-League-Saison nach London zum Fulham FC. Die Gegneranalyse.

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Die Cottagers haben wilde Jahre hinter sich. In jeder der vergangenen fünf Saisons haben sie die Klasse gewechselt. Dreimal stieg man in die Premier League auf, die ersten beiden Male aber auch sofort wieder ab. Dies soll diesmal anders laufen, man will sich endlich wieder in der höchsten englischen Spielklasse halten.

Nach dem letzten Abstieg im Sommer 2021 konnte Fulham überraschend viele wichtige Spieler davon überzeugen, den Gang in die Zweitklassigkeit mitzugehen. Das lag vor allem auch daran, dass man im Gegensatz zu beispielsweise dem Burnley FC in diesem Jahr recht wenige finanzielle Zwänge hatte. Topstürmer Aleksandar Mitrovic (27), Abwehrchef Tosin Adarabioyo (24) und die Mittelfeldmotoren Harrison Reed (27) und Tom Cairney (31) blieben dem Team erhalten.

Dazu kam mit Harry Wilson (25), der für 15 Millionen Euro von Liverpool nach London wechselte, der Königstransfer der gesamten Championship. Der walisische Nationalspieler war mit zehn Toren und 20 Vorlagen einer der Hauptfaktoren für den letztlich ungefährdeten direkten Wiederaufstieg der Cottagers. Ein anderer war erneut Mitrovic. Der Serbe stellte sogar Wilson in den Schatten und traf in 44 Spielen unglaubliche 43-mal. Der mit weitem Abstand beste Wert in der Geschichte der Championship.

Ein weniger wildes Transferfenster

Entsprechend musste Fulham diesen Sommer deutlich weniger am Kader basteln als in den letzten Jahren nach Aufstiegen. Die Kaderplanung ist zwar sehr wahrscheinlich noch nicht abgeschlossen, wirkt jedoch wesentlich strukturierter. 2018 und 2020 kamen viele Neuzugänge erst sehr spät dazu, wodurch es oft bis in den Januar hinein dauerte, ehe die Trainer die beste Mannschaft ermittelt hatten.

Schmerzen dürfte sicherlich der Abgang von Fabio Carvalho (19). Der Youngster ließ seinen Vertrag auslaufen und wechselte für die Ausbildungsentschädigung von 5,9 Millionen Euro zum LFC. Ein Betrag, der seinem Wert in keiner Weise gerecht wird. Carvalho war im offensiven Mittelfeld des 4-2-3-1 gesetzt und war ein Schlüsselspieler in der vergangenen Saison. 18 Scorerpunkte in 38 Spielen sprechen eine klare Sprache.

Den portugiesischen Juniorennationalspieler ersetzen soll Andreas Pereira (26). Der Brasilianer kam für 9,5 Millionen Euro von Manchester United. 2017 galt Pereira noch als großes Talent, als er bei Granada in jungem Alter bereits Stammspieler in der ersten spanischen Liga war. Doch er konnte nie den nächsten Schritt gehen, in der vergangenen Saison war der zentrale Mittelfeldspieler in seine Heimat zu Flamengo Rio de Janeiro verliehen. Es wird spannend zu sehen, ob Pereira bei Fulham sein volles Potenzial ausschöpfen kann.

Als Gegenstück zu Wilson auf den offensiven Außenpositionen wurde Manor Solomon von Shakhtar Donetsk geliehen. Der Israeli gilt als äußerst torgefährlich, in der Ukraine erzielte er zuletzt neun Saisontore. Dazu kam der defensive Mittelfeldspieler Joao Palhinha (26). Für den portugiesischen Nationalspieler zahlte Fulham 20 Millionene Euro an Sporting Lisabon. Palhinha soll die Lücke im Kader schließen, die der ablösefreie Abgang von Jean Michael Seri (30) hinterlassen hat. Qualitativ dürfte Palhinha höher einzuschätzen sein als der Ivorer, der zu Hull City ging.

Ebenfalls eine Lücke, die durch einen Abgang aufgegangen ist, füllt Kevin Mbabu (27). Der schweizer Rechtsverteidiger, der für 5,5 Millionen Euro aus Wolfsburg kommt, beerbt Neco Williams (21). Der Waliser wurde nach seiner Leihe vom LFC in der vergangenen Rückrunde nicht fest verpflichtet. Für das Tor wurde Bernd Leno (30) vom Arsenal FC für verhältnismäßig wenig Geld verpflichtet, nur drei Millionen kostete der Deutsche. Nun ist man noch auf der Suche nach einem Innenverteidiger. Geplant war, dass einer der neuen Innenverteidiger Issa Diop (25) von West Ham United sein sollte. Der Franzose bekommt jedoch aufgrund einer langwirigen Verletzung von Neuzugang Nayef Aguerd (26) wohl keine Freigabe der Hammers. Fulham muss also weiter suchen.

Marco Silva – Sitzt der vierte Versuch?

Marco Silva (45) ist kein Unbekannter in der Premier League. Seit Januar 2017 arbeitet der Portugiese ausschließlich in England, Fulham ist inzwischen sein vierter Verein. Angefangen hat Silvas Englandaufenthalt bei Hull City. Die Tigers holten ihn als Feuerwehrmann, um den Abstieg aus der Premier League zu verhindern. Dies gelang trotz unter anderem Siegen gegen den LFC (2:0) und West Ham United (2:1) nicht, man stieg ab. Doch Silva hatte Eindruck gemacht und durfte in der Liga bleiben, der Watford FC nahm ihn unter Vertrag.

Bei den Hornets lief es für Silva sportlich mehr als gut. Er schaffte es, den Verein im Mittelfeld der Tabelle zu positionieren. Im Laufe der Saison kam dennoch Unruhe auf. Grund hierfür war, dass der Everton FC ein Auge auf den damals noch recht jungen Trainer geworfen hatte. Die Toffees hatten im Oktober Ronald Koeman (49) entlassen und hätten Silva gerne als dessen Nachfolger verpflichtet. Watford weigerte sich zunächst, seinen Trainer während der Saison abzugeben, obwohl Everton eine stattliche Ablöse bot. Die Unruhe sorgte dafür, dass Watford nach einem starken Saisonstart einbrach und von Spieltag 14 bis 24 in elf Spielen nur noch fünf Punkte holte. Die Verantwortlichen von Watford entschieden sich daraufhin, Silva zu entlassen.

Im Sommer wechselte der Portugiese schließlich nach Liverpool. Wirklich glücklich konnte Silva die Toffees jedoch nicht machen. Im ersten Jahr sprang zwar ein solider Platz 8 heraus, da es in der zweiten Saison jedoch eher nach unten als nach oben ging, wurde er im Dezember 2019 im Anschluss an ein 2:5 in Anfield entlassen. Seit Sommer 2021 ist er nun in Fulham der verantwortliche Cheftrainer.

Bleibt man so offensiv wie im Aufstiegsjahr?

Silva ist Fan einer offensiven Spielweise. Diese praktizierte sein Team im letzten Jahr sehr extrem. In 46 Spielen erzielten die Cottagers stolze 106 Tore. Zum Vergleich: Der AFC Bournemouth, der die zweitbeste Offensive stellte, erzielte nur 74 Treffer. Vor allem Mitte Januar schoss Fulham die Lichter aus. In den vier Spielen gegen Birmingham City (6:2), Reading FC (7:0), Swansea City (5:1) und Bristol City (6:2) traf man unglaubliche 24-mal. Eine solche Serie über vier Spiele hatte es zuvor noch nie gegeben im englischen Profifußball.

Fraglich ist indessen, ob Silva sein Team auch in der Premier League derart offensiv agieren lässt. Die Gefahr wäre ob der hohen individuellen Qualität der Gegner groß, regelmäßig abgeschossen zu werden. Die Transfers sprechen dafür, dass man eher etwas weniger forsch und gut geordnet aus dem 4-2-3-1 auftreten will. Ob die Mannschaft kann, wird sich zeigen. Vor allem Mitrovic und Wilson hatten in der Vergangenheit immer wieder Schwächen im Spiel gegen den Ball offenbart.

Prognose

Eine Prognose abzugeben ist extrem schwierig, da wie bereits beschrieben nicht klar ist, ob Fulham weiterhin derart offensiv auftritt. Da es sich um das erste Heimspiel der Saison handelt, ist durchaus denkbar, dass die Cottagers mit viel Energie ins Spiel starten. Liverpool wird die ersten Minuten unbeschadet überstehen müssen, dann sollte es anschließend leichter werden, die Spielkontrolle zu übernehmen. Läuft es normal, sollte sich am Ende die deutlich höhere individuelle Qualität der Reds durchsetzen. Vor allem Carvalho und Harvey Elliott (19) dürften gegen ihren Ausbildungsverein besonders motiviert sein.

Lukas Heigl / Photo by Alex Pantling/Getty Images

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