Kolumne von Chris Williams exklusiv | Unser Redmen Family-Kolumnist blickt kritisch auf die Geschehnisse des Liverpool FC im neuen Jahr zurück.

Diese Kolumne wurde vor dem Spiel gegen Tottenham Hotspur geschrieben.

Hallo,

der Gruß sollte eigentlich anders lauten, aber das erkläre ich etwas später. Momentan gibt es nichts sehr viel Fröhliches über das man schreiben könnte, aber ich versuche es mal!

Vor zwölf Monaten hätte die Welt nicht unterschiedlicher sein können. Ich war in der S-Bahn vom Flughafen Berlin-Schönefeld auf dem Weg zum Olympiastadion, wo ich über den Sieg des FC Bayern München gegen Hertha BSC berichtete.


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Jürgen Klinsmann war der Trainer und Hertha hat einigermaßen gut gespielt – wie ich bereits sagte, die Welt hätte nicht unterschiedlicher sein können.

Starke Kontraste zum vorherigen Jahr

„Aber warum ist das jetzt wichtig?“, fragen sich einige von euch. Nun…während ich eingequetscht im Zugwagon mich auf den Rückweg vom Spiel befand, hielt ich mein Handy so hoch ich konnte, um ein besseres Signal zu bekommen. Die zweite Halbzeit von Liverpool gegen Manchester United lief seit einiger Zeit – ein Spiel, dass ich normalerweise nie verpasse.

Dieses besondere Spiel hatte die Voraussetzungen, die jeder wollte: Schlagt die Bastarde und wir haben 14 Punkte Vorsprung, der Premier League-Titel wäre so gut wie sicher, wischt den Haufen bloß zur Seite und wir können die Träume in Realität umsetzen.

Während ich mich schwertat, eine gute Verbindung zu bekommen, mit der ich NBC Sports schauen kann (Es ist günstiger, ein amerikanisches TV-Abo abzuschließen als ein Englisches, das ist vielleicht ein Thema für ein andermal). Ich konnte erkennen, wie Alisson den Ball hatte, als auf einmal alle Pixel verschwanden und die Bildqualität Full-HD annahm, genau rechtzeitig um den Pass zu Salah zu sehen und, nun ja, der Rest ist Geschichte.

LIVERPOOL, ENGLAND – JANUARY 19: Mohamed Salah of Liverpool celebrates his goal to make it 2-0 with Alisson Becker during the Premier League match between Liverpool FC and Manchester United at Anfield on January 19, 2020 in Liverpool, United Kingdom. (Photo by Michael Regan/Getty Images)

Viele Leute in der S-Bahn waren schockiert, über die neuen Wörter, die sie lernten, als Salah an diesem Abend quasi den Premier League-Titel vor dem Kop gewann. Die Bayern-Fans neben mir wussten was passierte, sie haben dieses Team natürlich mit ihren eigenen Augen gesehen.

Es war wie eine Szene aus „Captain Phillips“, „Seht mich an! Ich bin jetzt der Kapitän!“, die Freude, die Vorahnung, nach 30 Jahren passierte es endlich und wir wussten es bereits im Januar.

Liverpool schwächelt im Jahr 2021

Wie ich sagte, vor zwölf Monaten sah die Welt noch ganz anders aus. Liverpool befindet sich jetzt in einem Tief und sie spielten wieder gegen Manchester United, das zweite Mal in der Woche. Die Gäste waren beim ersten Spiel Tabellenführer mit drei Punkten Vorsprung.

Hätte Salah keinen Doppelpack im Old Trafford erzielt, wäre ich nicht in der Lage das Wort „Tor“ zu schreiben. Liverpool hatte seit sechs Stunden nicht getroffen, nicht seit Dezember 2020 in der Premier League und die vorherigen Tore kamen gegen irgendwelche 10-jährigen Kinder von Aston Villa.

Der Doppelpack in Manchester war das einzige Highlight in einem Spiel, in welchem die Reds erneut aus den FA Cup flogen, bevor der Wettbewerb überhaupt richtig begann. Also verzeiht mir, dass ich nicht die Worte „Frohes Neues Jahr“ zu Beginn des Artikels benutzte.

Selbstgemachtes Abwehrproblem bei den Reds

Was mir aber mehr Sorgen bereitet, zumindest langfristig, ist der Mangel an Innenverteidigern. Virgil hat keine Knie mehr und sollte bis Juni ausfallen, Joel Matip (den ich sehr schätze) besteht leider aus Glas und Joe Gomez steht ihm in Nichts nach im Kampf um die „Weetabix-Beine 2020/21“ (Anm. d. Red.: Weetabix ist eine Müsli-Marke).

Aber das sollte kein Problem für Liverpool, den aktuellen Premier League-Champion und FIFA Klub-Weltmeister, sein. Sie können mit Leichtigkeit im Transfermarkt fündig werden, oder?

Deloitte hat DIESE WOCHE berichtet, dass die Reds ein Plus von 31,7 Millionen Euro in kommerziellen Einnahmen zu verzeichnen haben. Zusätzlich bekommen sie die zweithöchste Summe an Übertragungsgeldern von den Top 20 Klubs der Welt, eine Summe von 230,3 Millionen Euro. Wenn Jürgen Klopp deswegen sagt, dass ihm mitgeteilt wurde, dass kein Neuzugang kommen wird ist…sagen wir mal, nicht wirklich optimal.

Liverpool stand im Juli, nachdem sie die Meisterschaft mit dem besten Fußball seit Jahren gewonnen haben, am Rande der Größe. Doch der Abstand zwischen der stärksten Elf und dem Backup ist nicht gut genug und nirgendwo ist dies deutlicher zu erkennen als in der Defensive.

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Viel wurde aus Liverpools Unfähigkeit gemacht, ein Tor zu schießen, aber wenn man die gesetzten Mittelfeldspieler rausnimmt und in der Defensive einsetzt, verliert man einen wichtigen Schlüssel im Umschaltspiel. Ungeachtet dessen ist ein Tor aus 75 Schüssen in der Premier League ein Armutszeugnis.

Torflaute nur Zufallsprodukt?

Man möchte hoffen, dass sich dies bald ändert, durch reine Mathematik wenn nicht anders. Klopp sollte nicht dazu aufgefordert werden, mit einem Arm hinterm Rücken zu coachen und ich vermute, genau das passiert gerade.

Nehmen wir mal die talentierte Mannschaft die nach Midtjylland gereist ist, um ein unwichtiges Spiel zu spielen. Die Partie, in der sich Diogo Jota verletzte. Ein bedeutungsloses Duell, dass keinen Einfluss auf das Endresultat in der Champions League-Gruppe hatte.

Warum also mit so einer starken Elf spielen? Die 2,7 Millionen Euro Gewinnsumme der UEFA kam sicherlich in den Sinn, darüber habe ich keine Zweifel.

Alle Klubs haben finanzielle Probleme, aber Liverpool geht es nicht so schlecht wie andere; die Suche nach ein bisschen Extrageld hat Klopps Angriffsoptionen limitiert. Ein Zeichen dafür, dass der Vorstandsraum Einfluss auf das Spiel nehmen kann, wenn es nicht gebraucht wird.

Fühlt sich alles ein bisschen nach Untergangsstimmung an, nicht wahr?

Bessere Zeiten sind auf dem Weg

Aber seid euch versichert, dass die Qualität des Fußballs in dieser sterilen Post-COVID-Atmosphäre immer noch bedeutet, dass Liverpool, auch wenn sie – sind wir mal ehrlich, Mist spielen, nur sechs Punkte hinter Manchester United ist und jeder Menge Spiele noch zu absolvieren sind.

Die Gespräche um einen verlorenen Titelkampf sind vielleicht etwas verfrüht, vor allem wenn die Rivalen den Donnerstags-Sonntags-Rhythmus der Europa League noch ertragen müssen.

Kurz gesagt, behaltet den Glauben. „Es ist erst vorbei, wenn die dicke Dame anfängt zu singen“, sagen wir hier in England. Sie ist immer noch stumm, sorgen wir dafür, dass es so bleibt.

Sie kann im Mai singen, wenn Jordan Henderson wieder seinen Shuffle macht und dieser aktuelle Moment wird dann eine ferne Erinnerung sein.