Am Samstag kommt der Bournemouth AFC nach Anfield. Die Cherries stecken tief im Abstiegskampf, das Team von Eddie Howe braucht jeden Punkt, um auch im fünften Jahr in der Premier League die Klasse zu halten. Die Analyse der Redmen Family:Da sich am Kader und auf der Trainerposition im Vergleich zum Hinspiel nichts verändert hat, verweisen wir auf die Analyse der Hinrunde: Analyse
Taktik: Systemänderung nach vielen Jahren
Nachdem Bournemouth in den letzten Jahren fast durchgehend in einem 4-4-2 System gespielt hatte, wurde das System rund um den Jahreswechsel umgestellt. So spielt man aktuell im 4-5-1.

Das hat mehrere Gründe. Zum einen kam Dan Gosling von einer langwierigen Verletzung zurück. Da der 30 Jahre alte Mittelfeldspieler unter Howe eigentlich immer gesetzt war und er auch nun in dieser schweren Phase seine Erfahrung im Mittelfeld nicht missen will, entstand im zentralen Mittelfeld ein Luxusproblem, da man nun vier Spieler hat, die hier den Anspruch haben, Stammspieler zu sein.
Ein weiterer Grund ist, dass die Stürmer bis auf Callum Wilson diese Saison noch nicht wirklich in Form sind und kaum Argumente dafür liefern, regelmäßig Spielzeit zu bekommen. So traf Joshua King in 20 Spielen vier Mal, Dominic Solanke in 27 Spielen gar erst ein Mal. Durch das neue System können die Außenspieler selbst mehr in Richtung gegnerisches Tor kreieren.

Da vor allem Ryan Fraser allerdings ebenfalls keine gute Saison hat und auch erst ein Tor erzielen konnte, geht dieser Plan bislang noch nicht vollständig auf. Ein Kritikpunkt der Fans ist, man hätte sich im Winter offensiv nochmals verstärken müssen. In Anbetracht der erst 28 erzielten Tore eine durchaus berechtigte Kritik.
Auch defensiv steht man trotz des neuen Systems nicht wirklich stabiler, obwohl man nun im Mittelfeld mit einem Spieler mehr eigentlich mehr Sicherheit ausstrahlen sollte.
Player to watch: Jack Stacey – Premier League auf dem zweiten Bildungsweg
Staceys Weg war ein steiniger. Bis vor 2 Jahren spielte er in der vierten englischen Liga. Als er 2017 zu Luton Town kam, fand er in Nathan Jones seinen großen Förderer. Unter dem walisischen Trainer gelang dem Verein der Durchmarsch aus der vierten in die zweite Liga (auch, wenn Jones im Januar 2019 von Stoke City abgeworben wurde, der Aufstieg fußte auf seiner Arbeit).
Für diesen Durchmarsch zeigte sich Stacey maßgeblich mitverantwortlich. Konzentrierte er sich in seiner ersten Saison noch vornehmlich auf die Defensive, zeigte sich im zweiten Jahr, welche außerordentlichen offensiven Qualitäten er mitbringt. So war er in 45 Spielen an zwölf Treffern beteiligt.

Diese Qualität blieb auch den Cherries nicht verborgen, und so holte man ihn im Sommer 2019 für knapp 4,5 Millionen € nach Südengland. Zunächst war geplant, dass er langsam an die Mannschaft herangeführt werden sollte und hinter Adam Smith und Simon Francis lernen sollte. Da allerdings Smith im Laufe der Saison regelmäßig in der Innenverteidigung aushelfen musste und Francis als immer wieder als Linksverteidiger gebraucht wurde, steht Stacey inzwischen bereits bei elf Einsätzen in der Premier League.
Bei seinen Einsätzen weiß er durchaus zu überzeugen. Im Offensivspiel bringt er sich gut ein, macht immer wieder weite Wege zur Grundlinie, seine Flanken sind sehr ordentlich. Aber auch defensiv macht er seine Sache gut, trotz seines schmächtig wirkenden Körpers ist er sehr robust im Zweikampf und besitzt eine hohe Spielintelligenz. Sein größter Schwachpunkt ist wohl die Geschwindigkeit, bei Ballverlusten und schnellen Gegenangriffen ist er oft zu spät wieder auf seiner Position. Auch im Kombinationsspiel ist er unter Druck nicht der beste Spieler.
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Sein bislang bestes Spiel war zweifelsohne das am letzten Spieltag zu Hause gegen den Chelsea FC. Hierbei konnte er auch seine zweite Vorlage der Saison beisteuern.
Fazit:
Wie bereits vor dem Hinspiel angesprochen, ist ein gutes Mittel gegen Bournemouth, ihnen Fouls und Karten anzuhängen. Jefferson Lerma steht in dieser Saison beispielsweise bereits bei neun gelben Karten, dazu sah er ein mal die gelb-rote Karte. Philipp Billing und Callum Wilson stehen bei je sieben gelben Karten, Diego Rico und Smith bei jeweils sechs.

Zum Vergeich, bei Liverpool hat Fabinho mit fünf gelben Karten die meisten.
Dadurch, dass Harry Wilson als von Liverpool ausgeliehener Spieler im Spiel am Samstag nicht spielberechtigt ist, geht den Cherries eine ganze Menge Kreativität verloren. Daher werden sie offensiv wohl vor allem versuchen, die Geschwinigkeit von Fraser einzusetzen.

Dort müssen Trent Alexander-Arnold und Joe Gomez ganz besonders aufpassen, durch seinen niedrigen Körperschwerpunkt ist Fraser auch sehr schwer aus der Balance zu bringen.